Nürnberger Nachrichten: 24.06.2017

Durch die Nacht bis ins Weltall

Das Institut für moderne Kunst feiert sein 50-jähriges Bestehen und startet mit Judith Egger und ihrer in mehrfacher Hinsicht faszinierenden Großinstallation eine Projektreihe, die nach dem Stellenwert der Kunst in der Zukunft fragen will. »Hundun« heißt Eggers Werk, das einem mächtigen Tierkörper aus ferner Urzeit gleicht. Über und über behängt, besteckt und ausgestopft mit Schläuchen, Plastiklöffelchen, Bürsten, Strohhalmen, Netzen, Klebebändern, getrockneten Blättern und vielem mehr, ist dieses aus Styropor und schwarz eingefärbtem Schaumstoff geschaffene Wesen, auf dessen Nacken echte Sumpfpflanzen wuchern, Material-Ungetüm und Klangkörper in einem.
Als ebenso hinreißendes wie anrührendes Geschöpf spielerischer Experimentierlust offenbart sich in »Hundun« zugleich Eggers Faszination für die großen Fragen des Lebens: nach Ursprung, Wachstum, Chaos, Vergänglichkeit. Geschaffen hat sie ihr »Monster« 2016 für das Festival für neues Musiktheater in München, wo sie es nach einer eigens komponierten Partitur zum Klingen brachte. Nacherleben kann man die beeindruckende, vielstimmige Performance an einer Hör- und Videostation.

Regina Urban

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