Nürnberger Nachrichten: 4.11.2017

Entwürfe für eine Kunst von morgen

Möglichkeiten und Grenzen der Kultur: Neue Ausstellungen im Galerie- und Atelierhaus Defet

Wie selten in der deutschen Kunstgeschichte haben sich in jüngster Zeit junge Künstlerinnen und Künstler dazu geäußert, was aus ihrer Sicht als Kunst anzusehen ist und welches die Funktion des Bildermachens in der heutigen Gesellschaft sein kann. Dass derzeit auch die sogenannten schönen Künste eine Periode tiefer Depression durchzustehen haben, behauptet zum Beispiel eine vielschichtige Video-Installation des 1981 geborenen Künstlers, Kurators und Autors Steffen Zillig, die jetzt im Ausstellungsraum des Instituts für moderne Kunst in Nürnberg zu sehen ist.
Ein Begleittext von Hans-Christian Dany fasst den Inhalt des Gezeigten zusammen: »Alle wollen hier raus. Niemand will bleiben. Das Szenario wirkt ausweglos. Es trägt den Namen History (Geschichte).« Dies veranschaulichen bei Steffen Zillig unter anderem Filme, die das langsame Dahinsiechen der Pop-Ikone Michael Jackson oder die aus Hilflosigkeit geborene Zerstörungswut »randalierender« Jugendlicher in einem Vorort von London dokumentieren.
Die Aussage ist klar und einfach: Sogar die populärsten Formen von Kunst und Kultur funktionieren nicht mehr länger als Narkose- und Heilmittel.
»Alles« soll/muss sich »grundsätzlich« ändern. »Alle wollen raus«, aber wo sollen sie hin? Weil das niemand (mehr) richtig zu wissen scheint, äußert sich das dumpfe Unbehagen gerade junger Leute in einer ständig steigenden Flut hässlicher, zynischer, obszöner Entgleisungen. Wie sich diese Bild- und Text-Pöbeleien heute vor allem im Rahmen unzähliger Internet-Foren ausbreiten, zeigt das Video im Zentrum von Steffen Zilligs Installation.

Bernd Zachow

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