Nürnberger Nachrichten: 20.10.2017

Zwei Künstlerinnen mit Witz, Herz und Hirn

Mit Kristina Schmidt und Johanna Strobel präsentiert das Institut für moderne Kunst eine tolle Entdeckung

Raum für Neuanfänge will das Institut für moderne Kunst mit seiner Projektreihe zum 50-jährigen Bestehen schaffen und hat mit Kristina Schmidt und Johanna Strobel jetzt zwei Künstlerinnen eingeladen, die überzeugt sind: „Another world is possible“.

Die 1982 und 1984 geborenen Münchner Künstlerinnen heimsen gerade als Duo Kitti & Joy einen Preis nach dem anderen ein. Getrennt arbeiten sie als Malerinnen auf komplett unterschiedliche Weise: Strobel zeigt in der Ausstellung im Zumikon Werke aus ihrer Serie der „Noir-Stillleben“, für die sie einfache Gegenstände – ein gefaltetes Papier, Toast-Scheiben, eine Glaskugel – als abstrakte Motive vor tiefschwarzem Grund inszeniert, und farbig so subtil beleuchtet, dass sie wie kostbare Objekte anmuten.
Zu sehen sind von ihr außerdem drei Gips-Urnen, deren Form zwar auf die Funktion als Bestattungsgefäß verweist, deren Innenleben und witzige Attribute wie Hände und Füße (Abgüsse von Strobels eigenen) aber auch an die Wahlurne und das aus der Wahrscheinlichkeitstheorie bekannte Urnenmodell erinnern. Immerhin hat Strobel vor ihrem Kunststudium Mathematik studiert, und das Interesse am Formalen ist auch in ihrer Kunst sichtbar, mit der sie eine ganz eigene, sehr facettenreiche und faszinierende Position vertritt. Weil sich die Ausstellung (leider) auf wenige Werke beschränkt, sollte man unbedingt im ausliegenden Katalog blättern.
Zwischen Comic und Pop-Art bewegen sich die Arbeiten von Kristina Schmidt, die sich aus dem Motivschatz des Alltags bedient, das Vorgefundene aber in ganz eigene Bilderzählungen überführt. Das ist oft sehr satirisch und zugleich beunruhigend ambivalent. Wie in den Selbstportraits, in denen sie sich am eigenen Schopf in eine andere Welt zieht oder im giftig-gelben Sumpf zu versinken droht. Zwar mit der Gegenwart verbunden, entführen Schmidts Werke vielmehr in imaginierte Welten, wobei die Bildränder von einer großen Liebe zum barocken Dekor zeugen.
Die offenbart sich auch in ihren Keramiken und Materialcollagen, die ein bisschen an kleine Totem-Plastiken erinnern und so schräg, trashig, seltsam morbide und melancholisch sind, dass man zwischen Schmunzeln und Schaudern schwankt.
Dass diese beiden so unterschiedlich arbeitenden Künstlerinnen seit drei Jahren als Kitti & Joy gemeinsame Sache machen, mag auf den ersten Blick erstaunen. Entstanden ist das Projekt aus einem zutiefst freundschaftlichen Geist, der sich mit einem ebenso aufmerksamen wie humorvollen Blick auf die Gegenwart paart. Als Duo arbeiten Strobel und Schmidt mit Performances, Videos, Objekten und Installationen und präsentieren sich augenzwinkernd selbst als Konsumentinnen einer Welt, die sie zugleich kritisch hinterfragen. Im Zumikon halten sich Kitti & Joy noch zurück, zeigen nur eine einzige Gemeinschaftsarbeit, der große Auftritt folgt ab dem 23. November im Edel Extra in Gostenhof.

Regina Urban

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