Nürnberger Nachrichten: 2.10.2013

Von Menschen und Messern

Zwei völlig unterschiedliche junge Künstler, deren Arbeiten sich aber dennoch hervorragend ergänzen, stellen derzeit in Lounge und Studio des Zumikons in der Großweidenmühle aus. Der eine lässt die Messer wetzen, der andere setzt eher auf Zen-Gelassenheit...

Eigentlich stellen Matthias Ströckel und Bo Christian Larsson wie üblich im Zumikon getrennt aus – doch Ströckel hat einen nicht ganz unerheblichen Beitrag zu der Installation Larsson geleistet: Die ist nämlich aus 800 je 20 Kilogramm schweren Leichtbeton-Steinen gebaut worden, die natürlich erst einmal geschleppt werden mussten. Kein Problem für den Studenten der Nürnberger Kunstakademie (Jahrgang 1986).
Sein schwedischer Kollege Larsson sieht die Entstehung der begehbaren Raum-Installation als Teil der Kunst: In diesem Fall eine sehr körperliche Arbeit, aber auch eine spielerische: »Das ist wie Lego«, sagt Larsson, der 1976 geboren wurde. Was er erschaffen hat (vorher wurde das Ganze übrigens mit Zuckerwürfeln geplant), erinnert an eine Bauruine oder einen Keller: Hohe Mauern, dazwischen Erker und Podeste, in und auf denen Fernseher stehen. »The knife as we know it« lautet der Ausstellungstitel, und wenn man den beklemmenden Raum, der für manche aber auch etwas Beschützendes hat, betritt, weiß man auch warum: Auf den Bildschirmen sind zig Szenen aus Hollywood-Filmen zu sehen, in denen Messer eine Rolle spielen – und an dieser Stelle sprechen wir nicht vom Zwiebelschneiden. Stichwort »Psycho«.
»Waffe oder Werkzeug?« ist hier die Frage, die Larsson bewusst aufwerfen will. Der Sound spielt dabei eine maßgebliche Rolle, denn das typische sirrende Zisch-Geräusch, das Hollywood den Messern gerne verpasst, macht das Erlebnis noch intensiver. Die offensichtliche Gewalt sieht der Künstler jedoch nur als Folie an, auf der sich weitergehende Fragen entwickeln, die über die bloße Darstellung der Grausamkeit oder die sicherlich vorhandene Kritik daran hinausgehen.
Zum Beispiel die, warum viele von uns Hollywood-Geschichten mögen (der Künstler selbst übrigens auch), wie sehr man manipuliert wird von derartigen Filmen, welche Rolle eigentlich die Angst spielt oder ob die Blockbuster von heute die Gladiatoren von gestern sind – mit den antiken Kämpfern vergleicht Larsson die Bildschirme, die teils »geschlagen« auf dem Boden liegen. Eine absolut sinnliche Arbeit, bei der erst einmal das Erleben eine Rolle spielt: Der Besucher sieht, fühlt, riecht und hört so einiges in diesem begehbaren Kunstwerk.

Susanne Helmer

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