Nürnberger Zeitung: 21.7.2005
Manchmal ist jeder ein Hase - Katja Eckert stellt im Zumikon aus
Auf die Frage, ob sie Tiere mag, sagt Katja Eckert: „Ich finde sie praktisch.“ Praktisch? Durch Tierzeichnungen könne sie sagen, was sie sonst nicht sagen kann. Was die 29-jährige Frankfurterin damit zum Ausdruck bringt - und ob das der Rede wert ist -, davon erzählt im Zumikon eine Schau. Oder vermittelt wenigstens eine Ahnung davon. Denn Eckert schlägt einen Weg ein, der den Besucher zunächst selbst einmal sprachlos werden lässt.Den roten Faden, der sich zum Beispiel durch ihre grazilen Tuschezeichnungen zieht, stellen verkabelte Hasen dar. Beziehungsweise anderes Getier, das Probleme mit dem richtigen Anschluss hat. Hier passt ein Stecker nicht. Dort mündet einer am falschen Ort. Einsam, Zweisam, Dreisam: Es ist ein Hasen-Leben! „Soziales“ heißt diese Werkgruppe bezeichnenderweise. Aber was welchen Titel trägt, ist für die gerade im kleinen Format großartig zeichnende Künstlerin, wie sie andeutet, von nachgeordnetem Rang. Ihre Miniaturen ordnet sie auch den anderen Werkgruppen - „Inneres“, „Äußeres“ oder „Umwelt“ - erst nach der Fertigstellung zu.
Intimität des kleinen Formats
Die briefmarkengroßen, als Collage präsentierten Zettelgruppen der „Steckbilder“ verlangen dann auch gar nicht nach Erklärungen. Spricht doch zum Beispiel die Gruppe der kargen Porträts für sich. Schon das Format deutet Intimität an und zeichnet sich durch eine Sorgfalt aus, die den Betrachter, wenn er sich denn fordern lässt, Blättchen für Blättchen ins poetische Potpourri von Eckerts Weltwahrnehmung einweiht - in zarter bis harter, in witzig bis wehmütig daherkommender Vielschichtigkeit.Sind die Zeichnungen und ihre kleinen Ölbilder noch klassisch geprägt, kann die 29-Jährige daneben in der Ausstellung noch auf ganz andere Art bestehen: Mit der digitalen Malerei. Es handelt sich dabei nicht um die nachträgliche Bearbeitung von Fotografieren. Aus dem Kopf hat Eckert ihre innere Landschaft am Computer als „Vorstellungsbilder“ nach draußen gemalt. Das Ergebnis zeigt künstlerische Größe - nicht nur im Format.
Christian Mückl

