Nürnberger Nachrichten: 8.10.2010
Forschungsreisen in die Großstadt
Wolkenbilder und die Ansichten von Metropolen: Sehenswerte Doppelausstellung im Zumikon
Ein ebenso faszinierendes wie flüchtiges Sujet für ihre künstlerische Betätigung hat sich Dagmar Varady auserkoren: Wolken. Aber eigentlich geht ihr Interesse daran weit über die Kunst hinaus. Die gebürtige Erfurterin, die in Halle lebt, arbeitet an der Schnittstelle zwischen Kunst und Wissenschaft und gehört damit zu einer Generation von Künstlern, die sich zunehmend in interdisziplinären Feldern bewegen. „Wolken sind ein Grenzphänomen. An ihnen beginnt und endet die Wissenschaft, beginnt und endet die Kunst, endet die Rationalität und beginnt das Irrationale“, sagt die 49-Jährige und schließt daraus: „Sie sind das ideale Objekt auf der Suche nach den Grenzverläufen unseres irdischen Wesen.“
Varady nähert sich dem Naturphänomen mit Fotos und Zeichnungen, Videos und einer Zusammenarbeit mit dem Institut für Troposphärenforschung in Leipzig. In Nürnberg zeigt sie unter anderem das Foto eines Wolkensimulators, ein Wolkennebel-Video aus Gomera und zwölf zeichnerische Annäherungen an „ihre“ Wolke. Die fotografierte sie bei einem Flug von Leipzig nach Wien. Dem flüchtigen Phänomen spürte sie mit zwölf großformatigen Zeichnungen nach, für die sie in Anlehnung an altmeisterliche Rötelzeichnungen rote Aquarellfarbe gewählt hat.
Der Verlag für moderne Kunst in Nürnberg hat eine Monografie über die Künstlerin herausgebracht, deren facettenreiches Werk hier nun erstmals in Auszügen vorgestellt wird.
Birgit Ruf

