Alexander Braun

»Retablo #37«
2012 | UV-Pigmentfarben auf Stahlblech | 26 x 32 cm | Auflage: 10 Exemplare (davon 4 für das Institut) | nummeriert und signiert | 280,-- Euro (180,-- Euro für Mitglieder des Instituts für moderne Kunst)

Übersetzung: »Ich danke dem heiligen Aloisius von Gonzaga, dass er mir die Geduld gegeben hat, meiner lieben Frau erfolgreich zu erklären, dass es nichts Verwerfliches ist, wenn man mehr Bücher besitzt, als man selbst lesen kann, ja, dass es sogar die heilige Pflicht eines Kultur-Menschen ist, sich nach seinen finanziellen Möglichkeiten zu strecken und eine große Bibliothek anzulegen. Herr Filz, am 5. März des Jahres 2009.«

Alexander Brauns künstlerisches Werk umfasst Installationen, Videos, Fotografie und »genähte« Bilder aus Filz. Dabei folgt Braun konzeptionellen Ansätzen, die sich häufig auf Nachbardisziplinen wie Literatur, Musik oder Comic beziehen.

Seit 2002 lässt der Künstler im Rahmen eines künstlerischen Joint Ventures mit Votivtafel-Malern in Mexico-City »Retablos« malen, gemalte Danksagungen von Gläubigen an eine bestimmte Heiligen-Figur. In Mexiko hat sich diese Tradition in den letzten Jahrzehnten radikal erneuert, so dass die Retablos heute auch oder gerade Alltagsthemen behandeln.

Für das Institut für moderne Kunst hat Alexander Braun von dem mexikanischen Maler Alfredo Vilchis zwei Retablos anfertigen lassen, die den Künstler jeweils in Begleitung seiner Alter Egos »Herr Filz« und »Frau Knochen« zeigen. Das »Retablo #37« zeigt Herrn Filz und Frau Knochen mit einem Buch im Sessel sitzend bzw. mit verschränkten Armen neben der Figur des Künstlers an der Bücherwand einer sich offensichtlich in Nürnberg befindenden Bibliothek lehnend. Der als Schutzheiliger für die geduldige Pflege Schwerkranker stehende Heilige Aloisius wiederum schwebt mit mahnend ausgestrecktem Zeigefinger auf einem Wölkchen. Der in das Bild integrierte Text ist eine Art Widerrede zu »Retablo #36« – nämlich ein leidenschaftliches Plädoyer für die Sammelwut eines Bibliophilen, unabhängig von al-len räumlichen, mentalen und finanziellen Kapazitätsgrenzen.

 

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