Die Welt wirkt aus den Fugen geraten. Sebastian Jung (*1987 in Jena) fragt in seiner Arbeit nach dem hoffnungsvollen Riss in ihr. Für seine Ausstellung im Institut für moderne Kunst, die den Abschluss seines Marianne-Defet-Malerei-Stipendiums markiert, holt er den Schrott der Geschichte buchstäblich als Hoffnungsträger in den Ausstellungsraum, ohne dabei die
Wirklichkeit zu verleugnen.
Zentrales Motiv der Ausstellung sind die titelgebenden »Engel aus Schrott«. Sie sind das Ergebnis von Spaziergängen, die den Künstler zwischen dem historischen Ort des Reichsparteitagsgeländes und den Lichtern der Konsumwelt von IKEA Nürnberg-Fürth pendeln ließen. Aus den Fundsachen dieser Streifzüge knüpfte Jung im Gehen Figuren, die materialisierte Zeugen der Gebrochenheit (nicht nur) unserer heutigen Zeit sind. Ergänzt werden sie durch literarische »Sekundenminiaturen«: Kurze Texte, in denen der Künstler Hoffnungsmomente aber auch Zusammenbrüche aufblitzen lässt und am Ende bei einer verbundenen Menschlichkeit landet, in der Ruhe gefunden werden kann.
Ein Wandbehang von drei mal sechs Metern basiert auf der in der Bundeskunstsammlung vertretenen Zeichnungsserie des Künstlers zu den rechtsradikalen Ausschreitungen in Chemnitz 2018 – hier jedoch so in Szene gesetzt, als wären die Zeichnungen mit Farbeiern beworfen worden, so als würde sich Jung nachträglich gegen Erlebtes zur Wehr setzen.
»Engel aus Schrott« ist die Bejahung des eigenen Scheiterns als Zuversicht. Sebastian Jung inszeniert keine Flucht in die Metaphysik, sondern eine profane Hoffnung im Sinne Walter Benjamins: Der Blick bleibt auf dem Boden, liebevoll und doch optimistisch nach vorn gerichtet.
Ausstellungseröffnung:
Samstag, 14. März 2026, 19 Uhr
Ausstellungsdauer:
15. März bis 31. Mai 2026
Öffnungszeiten:
Samstag und Sonntag: 14.00 bis 18.00 Uhr
Mit freundlicher Unterstützung der Atelier- und Galeriehaus Marianne und Hans Friedrich Defet Stiftung und der da Vinci Künstlerpinselfabrik Defet GmbH Nürnberg

