Böhler & Orendt : Beitrag zur Lösung der Frage vom Ursprung unseres Glaubens an die Realität der Außenwelt und seinem Recht.

studio im zumikon Großweidenmühlstraße 21, 90419 Nürnberg
Eröffnung: Mittwoch, 25. Juni 2014, 20.00 Uhr
Ausstellungsdauer: 26. Juni 2014 bis 2. August 2014
Einführung: Jan Neersö M.A., Kulturwissenschaftler, Philosoph, Übersetzer und Unternehmer, Leipzig

Zur Ausstellung:
Die in Nürnberg lebenden Künstler Matthias Böhler (*1981) und Christian Orendt (*1980) arbeiten seit 2007 zusammen. In ihrem gemeinsamen künstlerischen Werk reflektieren sie die Dissonanzen zwischen Überzeugung und Wirklichkeit, die Konstruktion von Weltbildern sowie die daraus resultierenden gesellschaftlichen Strukturen. Ganz gleich ob aufwendige Installation, absurde Performance oder philosophisch anmutende Bild-Text-Zeichnungen: Der Kunst kommt dabei die Aufgabe zu, gewitzt einen Möglichkeitsraum zu behaupten, in dem unpopuläre und abwegige Haltungen erprobt werden können.

Ihre Arbeiten zeichnen sich durch einen verspielten Detailreichtum aus, kreieren ihren Reiz aber durch die gleichzeitige Überschaubarkeit und dem verzögerten Aufscheinen von Abgründigem. Auch das erfindungsreiche Spiel mit Größenverhältnissen fordert die Vorstellungskraft jener heraus, die sich darauf einlassen – und sich schon bald zwischen imaginären Umgebungen und simulierten Realitäten wieder finden. Damit verbunden ist ein starker Zug zum Narrativen. Das subjektiv-menschliche Empfinden von Umwelt und Kultur steht im Mittelpunkt, wobei das Künstlerduo immer wieder die Widersprüche dieser einfältigen Empfindsamkeit aufzeigt und damit einen ironischen, aber auch sarkastischen Blick auf die Welt wirft.

Für die Ausstellung im zumikon haben Böhler & Orendt eine ca. 2 x 10 Meter große Holzkonstruktion in der Art eines überdimensionalen Setzkastens entworfen und damit ihre Interpretation des erkenntnistheoretischen Ansatzes von Foucaults »Ordnung der Dinge« in den Ausstellungsraum gebracht. Die wandfüllende Installation zeigt verschieden große und im festen Raster angeordnete Fächer, jedes bestückt mit einem Gegenstand, der Assoziationen an Tiere, Pflanzen, Fabelwesen oder Himmelskörper weckt. Diese Objekte, pedantisch mit einem scheinbar wissenschaftlichen Klassifikationssystem versehen, proklamieren trotz ihrer Phantastik den Eindruck einer logischen Ordnung. Im Zentrum dieses künstlichen Kosmos ist ein stark abstrahiertes menschliches Gesicht auf die angeordnete Umgebung ausgerichtet – und blickt notgedrungen auf seine vom Künstlerduo erdachte Umwelt. Die inhaltliche Auseinandersetzung mit der Installation beginnt beim Titel: »Beitrag zur Lösung der Frage vom Ursprung unseres Glaubens an die Realität der Außenwelt und seinem Recht«, der auf den Philosophen und Theologen Wilhelm Dilthey zurückgeht. Aber wie weltgewandt, könnte man augenzwinkernd fragen, ist ein erdachter und selbstgebauter Mikrokosmos im weiten, sinnlosen Universum? Können wir der umfassenden Unbegreiflichkeit des Lebens mit den Mitteln eines passionierten Sammlers begegnen? Spiegelt sich das Große tatsächlich so schamlos im Kleinen wieder? Derartige Fragen provozieren Böhler & Orendt spitzbübisch wie gekonnt – und zeigen charmant auf, dass Strukturen durchdrungen werden können.

Öffnungszeiten:
Mittwoch bis Freitag 14.00 bis 18.00
Samstag 11.00 bis 15.00 Uhr

Alle Ausstellungen
Fotos: Uwe Niklas