Esther Kempf : »C'EST QUOI, TON PRÉNOM?«

studio im zumikon Großweidenmühlstraße 21, 90419 Nürnberg
Eröffnung: Donnerstag, 4. März 2010, 20.00 Uhr
Ausstellungsdauer: 5. März 2010 bis 24. April 2010
Einführung: Siham Issami, Autorin, Paris

»Konzeptkunst als lustvolles Entschlüsselungsspiel« (Sascha Renner): In den Installationen der Schweizer Künstlerin Esther Kempf (Preisträgerin der Kiefer Halblitzel Stiftung und der Dr. Georg und Josi Guggenheim-Stiftung) stehen nicht die Dinge selbst, sondern ihre Erscheinung und ihre Beziehung zum (Ausstellungs-)Raum im Mittelpunkt.

Ausgesprochen hintersinnig und gleichzeitig verblüffend einfach sind Esther Kempfs installative Versuchsanordnungen, mit denen sie Phänomene wie Regen und Wind, Licht und Schatten, Statik und Dynamik sinnlich neu erfahrbar macht und die Funktionsweise unserer Wahrnehmung hinterfragt bzw. offen legt. Im Stil einer Forscherin, die ebenso akribisch wie geduldig experimentiert, bis sie das gewünschte Ergebnis gefunden hat, entwickelt die Künstlerin ihre Arbeiten, mit denen sie durch subtile Verschiebungen neue Perspektiven und Erkenntnisse ermöglicht.

Etwa in der Arbeit »Homesick«, bei der auf und neben einem Klapptisch einzelne Essensreste, Wegwerfgeschirr, Stücke von Holz, Karton und Draht liegen. Von der Decke erfasst eine Videokamera die Szenerie und gibt sie auf einem Monitor wieder. Im Monitorbild wiederum fügen sich die scheinbar lose und zufällig verstreuten Elemente zu einem Landschaftsbild zusammen: Das auf dem Boden liegende Papier wird zu einer nächtlichen Straße, über die von Zeit zu Zeit ein Lichtpunkt rast und am Horizont verschwindet. Aber was der Betrachter für Autoscheinwerfer hält, sind in Wirklichkeit Milchtropfen, die aus einer umgekippten Packung auf dem Tisch auf den Boden rinnen. Auch die an der Straße stehenden Straßenlaternen sind kunstvoll »konstruiert« – nämlich ein filmisches Abbild der Drahtstücke auf dem Tisch und der Holzstäbchen auf dem Boden.

So wirft Esther Kempf einen poetischen Blick auf unsere Lebenswelt und zeigt, wie aus ganz einfachen Dingen mit wenigen Eingriffen etwas ganz Neues entsteht: Nämlich eine faszinierende künstlerische Entdeckungsfahrt an der Grenze zwischen Wirklichkeit und Illusion, ein ebenso unkonventioneller wie philosophischer Exkurs über Sein und Schein, über die Welt und die Vorstellung(en), die wir uns von ihr machen – in gewisser Weise eine moderne Fassung von Platons Höhlengleichnis.

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Fotos: Uwe Niklas