Elger Esser : Méséglise

Atelier- und Galeriehaus Defet Gustav-Adolf-Str. 33, 90439 Nürnberg
Eröffnung: Samstag, 23. Februar 2013, 19.00 Uhr
Ausstellungsdauer: 24. Februar 2013 bis 27. April 2013
Einführung: Herwig Graef, Sammler und Verleger

Der international renommierte Düsseldorfer Fotokünstler Elger Esser (* 1967 in Stuttgart) gehört zu den letzten Schülern von Bernd und Hilla Becher an der Kunstakademie in Düsseldorf und gilt als der Romantiker unter den zeitgenössischen Fotografen.

Elger Essers Bilder von Landschaften und architektonischen Räumen bestechen durch ihre zeitlose Aura. Literarische und ästhetische Topoi des 19. Jahrhunderts zitierend, wirken diese Fotografien häufig, als seien sie aus der Zeit gefallen und nicht von dieser – unserer – Welt.

Die Faszinationskraft der fotografischen Zeitreisen Essers resultiert dabei nicht nur aus der Auswahl der Motive, sondern auch aus den technischen Verfahren und fotografischen Prozessen, denen sich der Künstler mit Akribie widmet: Hierzu gehört die verhaltene, sanfte Farbigkeit seiner Abzüge ebenso wie die Wiederaufnahme längst vergessen geglaubter fotografischer Techniken wie der Plattenkamera und der Heliogravur, die eine extreme Tiefenschärfe ermöglicht. Essers Interesse an diesem Lithographieverfahren spiegelt sich in seinen jüngsten Bildern, den Innenräumen sakraler und profaner Bauten in Frankreich – stille Momentaufnahmen an der Grenze von offenkundiger Gegenwart und entrückter Vergangenheit.

Die Fotoarbeiten von Elger Esser atmen Geschichte – mit seinen Heliogravuren begibt sich der Künstler auf die Spuren von Marcel Prousts berühmtem Opus »Auf der Suche nach der verlorenen Zeit«. Der Ausstellungstitel – »Méséglise« – bezieht sich auf den Weg von Illiers nach Méréglise, den Marcel Proust in seinem Roman in Méséglise (meine Kirchen) umbenannte. Es ist der Name des Spazierweges, der den Ich-Erzähler Marcel von Combray, dem Sitz der Familie, in die Landschaft hinausführt. Jeder Titel der Heliogravuren Essers beinhaltet das Wort »Combray«, den Namen des fiktiven Kindheitsortes des Ich-Erzählers in Prousts berühmtem Romanzyklus.

So wie Proust verschiedene reale und imaginierte Orte zu Combray verdichtete und in seinem Roman die Aspekte »Zeit« und »Erinnerung« reflektierte, arbeitet Esser an seinem ganz persönlichen »Erinnerungsatlas« Frankreichs, das er seit einigen Jahren fotografisch kartografiert. Dabei gelingen ihm immer wieder »besondere Aufnahmen«: Bilder als Blicke in die Vergangenheit – Fotografie als Fenster der Erinnerung, als Zeitreise, als ein Zeugnis der Verschmelzung von Imagination und Realität.

Es geht um das große Thema Zeit. Und um die dialektische Spannung zwischen dem kurzen Moment, in dem eine Fotografie entsteht, und der schier unendlichen Zeitspanne, die sich in ihr konzentrieren und konservieren lässt.

Öffnungszeiten:
Mittwoch bis Freitag 14.00 bis 18.00 Uhr
Samstag 11.00 bis 15.00 Uhr
und nach telefonischer Vereinbarung: Tel. 0911 2 40 2120

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Fotos: Uwe Niklas