Harri Schemm : Radikaler Provinzialismus

Atelier- und Galeriehaus Defet Gustav-Adolf-Str. 33, 90439 Nürnberg
Eröffnung: Samstag, 2. Juli 2016, 19.30 Uhr
Ausstellungsdauer: 6. Juli 2016 bis 6. August 2016
Begrüßung: Manfred Rothenberger, Institut für moderne Kunst

Beitrag Frankenfernsehen

Zur Ausstellung:

Für Harri Schemm (*1958 in Nürnberg) ist Kunst jederzeit, überall und immer möglich – er malt, zeichnet, schreibt und performt mit allem, was ihm und seinem Improvisationstalent gerade zur Verfügung steht. Der sogenannte »Provinzialismus«, »die selbstgenügsame Beschränkung aufs Nächstliegende« (Bazon Brock) wird von dem künstlerischen Autodidakten Schemm kühn und konsequent als experimenteller Freiraum genutzt – unabhängig davon, ob diese Provinz geographisch oder mental verortet ist.

Seit fast 30 Jahren vertritt Harri Schemm, auch in Zusammenarbeit mit Künstlerfreunden wie Peter Angermann, Reiner Bergmann oder Dan Reeder, seine künstlerische Position des »Radikalen Provinzialismus«. Das facettenreiche Spektrum der in dieser Zeit entstandenen Werke wird nun vom Institut für moderne Kunst mit einer Ausstellung im Atelier- und Galeriehaus Defet und der Herausgabe einer Werkübersicht erstmals umfassend gewürdigt.

Als »lebendes Gesamtkunstwerk« reflektiert Harri Schemm Biographisches, irritiert und provoziert (ohne zu verletzen), schleudert freche Geistesblitze und lässt die gesammelten Absurditäten unserer Zeit gelassen Revue passieren. Mit seinem ebenso vielfältigen wie umfangreichen Werk schlägt der Künstler einen weiten Spannungsbogen von idyllischer Plein-Air-Malerei in leuchtenden Farben über Siebdrucke, Fotoinszenierungen und Objekte bis hin zu abgründigen Performances, bei denen Schemm zum Beispiel als Godzilla durch blühende fränkische Landschaften stapft, als sinnenfroher Bacchus mit einem Floß aus 50.000 Weinkorken in den Fluss steigt oder als experimentierfreudiger Wissenschaftler Essiggurken unter Strom setzt, bis diese zu glühen beginnen. »Ich will die Leute zum Lachen bringen«, sagt Harri Schemm, »und zeigen, dass man sich nicht mehr blamieren kann, als der Aktionist selbst.«

Bei allem anarchischem Witz schwingt in den Arbeiten Schemms immer auch ein nachdenklich-melancholischer Unterton mit, ganz gleich, ob der Künstler seine tiefe Sehnsucht nach Blaukrautfeldern im Mondschein in Öl verewigt, ob er streunenden Hunden vor einem Tempel in Indien in zarten Aquarellfarben ein Denkmal setzt, oder ob er, verkleidet als weißer Elefant und das gleichnamige Gedicht von Heinrich Heine rezitierend, langsam mit dem Moped in die Nacht entschwindet: »Das glücklichste Leben ist ihm beschieden, / Doch Niemand auf Erden ist zufrieden«. (Heinrich Heine, Der weiße Elefant)

Zur Ausstellung erscheint die Publikation:
»Harri Schemm: Radikaler Provinzialismus«
Herausgeber: Institut für moderne Kunst Nürnberg
Texte: Fitzgerald Kusz, Natalie de Ligt, Anke Schlecht
Interview von Hilla Steinert mit Harri Schemm
224 Seiten | dt./engl. | zahlr. farb. Abb.
Verlag für moderne Kunst, Wien
ISBN 978-3-903131-16-3 | Euro 32,-

Öffnungszeiten:
Mittwoch bis Freitag 14.00 bis 18.00 Uhr
Samstag 11.00 bis 15.00 Uhr

Pressestimmen

Nürnberger Nachrichten: 30.6.2016

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Fotos: Uwe Niklas