Burkard Blümlein : Vorgeschichten Nachbilder

studio im zumikon Großweidenmühlstraße 21, 90419 Nürnberg
Eröffnung: Donnerstag, 7. Mai 2009, 20.00 Uhr
Ausstellungsdauer: 8. Mai 2009 bis 27. Juni 2009

Der in Frankreich lebende Künstler Burkard Blümlein thematisiert in seinen minimalistischen Objekten und Installationen mit subtilen optischen Irritationen das Sehen als »unendlichen Prozess«, hinterfragt Wahrnehmungsprinzipien und reflektiert die Rezeptionsmuster von Kunst.

Die Ausstellung »Vorgeschichten, Nachbilder« zeichnet anhand von exemplarischen Arbeiten die Entwicklung des Künstlers von 1990 bis heute nach, von seiner Zeit als Student an der Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg bis zu seiner heutigen Lehrtätigkeit an der Villa Arson, École Nationale Supérieure d’Art in Nizza, vom »Perlenzähler« (1992) über die »Geflickte Wolldecke« (2002) bis zu den »zwei Vasen auf graviertem Tisch« (2009).

Häufig weisen die von Burkard Blümlein verwendeten bzw. bearbeiteten Alltagsgegenstände Spuren auf von offensichtlich »absurden« Tätigkeiten, die in Analogie gesetzt werden zum »sinnvollen Tun«, dem »praktischen« Funktionszusammenhang, in dem diese Gegenstände eigentlich stehen. Mit konzeptueller Konsequenz untersuchen Blümleins Arbeiten das Tun und seine Begründungen, fragen nach dem Zusammenhang von Arbeit und Bewusstsein.

So weisen die Tische, die der Künstler vom Sperrmüll geholt hat, reale Kratzer auf, aber auch Spuren, die Blümlein ihnen durch verschiedene Techniken nachträglich zugefügt hat: Diese den Dingen eingeschriebenen Spuren erzählen Geschichten, wobei sich die Spuren der Nutzung bzw. Abnutzung und die Eingriffe des Künstlers zu einem geheimnisvollen Code verbinden, dessen Entschlüsselung den Betrachter zum Nachdenken anstiftet über Phänomene wie Authentizität und Imitation, Zeit und Vergänglichkeit.

Seit Marcel Duchamps zählt es zu einer der zentralen Aufgaben der Kunst, der Aura von Alltagsgegenständen nachzuspüren. Auf welch unterschiedliche und differenzierte Art und Weise man dieses Thema behandeln kann, zeigen Burkard Blümleins Arbeiten: Ob in eine Vase eingravierte Blasen, ob der geätzte Fingerabdruck im Glas, oder ob die zersprungenen und geklebten Porzellanteller, deren Haar-Risse als durchgehende Linie angeordnet sind – Blümleins ebenso einfache wie subversive Eingriffe setzen der materialistischen Ordnung der Dinge die Idee der Zweckfreiheit entgegen, sie fokussieren den Blick des Betrachters und ermuntern zu einem »anderen Sehen«, vielleicht sogar zu einem »anderen Denken«.

Zur Ausstellung ist im Verlag für moderne Kunst Nürnberg die Publikation »Burkard Blümlein – Bilder/Images« erschienen, herausgegeben vom Institut für moderne Kunst Nürnberg, deutsch/französisch, 128 Seiten, 118 Abb. in Farbe, Paperback, 24,00 Euro.

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Fotos: Uwe Niklas