Heike Kati Barath : Weihnachtspause

Atelier- und Galeriehaus Defet Gustav-Adolf-Str. 33, 90439 Nürnberg
Eröffnung: Samstag, 19. Februar 2011, 20.00 Uhr
Ausstellungsdauer: 20. Februar 2011 bis 9. April 2011
Einführung: Jörg van den Berg, Direktor der Columbus Art Foundation, Ravensburg

Ölfarbe satt, Acrylfugendichter pur, Farbigkeit laut und grell, dazu das  übergrosse Format, inklusive einer riesigen Portion märchenhaft-phantastischen Humors – all das zeichnet das imaginierte Pandämonium der 1966 geb. Künstlerin Heike Kati Barath aus.

In ihren figurativen Bildwelten trifft man auf Sujets von entwaffnender Naivität und ungebremster Direktheit, fühlt sich »ebenso erinnert an Bullerbü wie an deutsche Spießergesellschaft oder B-Movie-Horror« (Jörg van den Berg, Kat. »Heike Kati Barath, o.T.«, Revolver Verlag 2009).

Der Betrachter findet sich vor haarlosen, hoch gewachsenen Grazien, vor blonden, trotzig schauenden Mädchenköpfen mit Punktaugen, vor melancholisch blickenden Buben in roter Kapuze und bekommt Zugang in eine Welt der Aliens und Yetis, der »Charaktere jenseits von Gut und Böse, vor leeren oder nur gering akzentuierten Landschaften. Entsprechend bewegt sich Baraths Farbpalette zwischen himmelblauer Kindlichkeit und schwärzester Abgründigkeit, wobei die Perfektion und Leichtigkeit der Malerei oftmals konterkariert wird, von den disproportionierten Unzulänglichkeiten der dargestellten Figur und der Maßlosigkeit der Dimension« (mit Bildmaßen von 3 x 2 m) (J. v. d. Berg, ebnd.).

Mit großer Sensibilität werden die Schlüsselreize zum »Punkt, Punkt, Komma, Strich-Schema« aufgerufen, um mit ebensolchem Spürsinn an den Rand zum Grotesken geführt zu werden. Niedlichkeit wird mit Monstrosität vereint und der Betrachter bleibt zwischen Faszination und Beklemmung, zwischen grotesk-bedrohlicher Übertreibung und der Suggestion, einer bis in den Kitsch abdriftenden Kuscheltierästhetik, hin und her gerissen. Baraths Bilder sind komplexe Gefüge, die eine unerhörte Vielfalt der malerischen Technik aufweisen und voller »subtiler Verwerfungen stecken und im besten Sinne oszillieren« (J.v.d. Berg ebd.).

Thematisch beschäftigt sich Heike Kati Barth mit lebendigen Wesen, mit Hunden, Hasen, kleinen und großen Menschen. Diese Motive bringt sie, bildfüllend wie bildsprengend planimetrisch, auf die nahezu raumlose Malfläche. Körper, Kopf, Gliedmaßen heben sich klar konturiert vom Hintergrund ab. Dabei machen die getroffenen Bildausschnitte einen besonderen Reiz der Bilder aus, verblüffen in ihrer »insistenten Frontalität« (J. v. d. Berg), konfrontieren im unausweichlichen Gegenüber, zwischen gemalter Figur und Betrachter.

Jedes Gemälde lebt aus einem individuellen Verhältnis von linearen und malerischen Details. Dabei bedeutet die Verwendung von Acrylfugendichter – in schmalen Würstchen direkt aufgetragen – nicht nur einen Affront gegen die traditionelle Malkultur, die Bilder gewinnen durch die hervortretenden Akzentuierungen zusätzlich eine haptische Dimension. Mit großer Lust am Irritieren, setzt Heike Kati Barath schließlich die Physiognomien ihrer Kreaturen, durch winzige Details, wie pastos punktierte Nasenlöcher oder mit einem verschmierten Karminrot betonten Mund. Auf diese Weise erzählt sie Geschichten, ohne narrativ zu sein.

Die ausgeklügelten Kompositionen basieren einerseits darauf, die Kategorien der historischen Bildgattungen – wie Ganz- Halbfigur, Brustbild, Portrait, die in Baraths künstlerischer Arbeit immer auftauchen – bis zur Übersteigerung an ihre jeweilige Grenze zu führen. Andererseits spielt das Medium Film für die Künstlerin eine große Rolle. Als Filmbegeisterte (zu ihren Lieblingsfilmen gehören u.a. , »Mein Freund Harvey«, »Alien«) und auch Literatur liebende (u.a. Thomas Bernhard »Der Atem«, »Der Keller«) Künstlerin bezieht Barath die, dem Kino eigene, cineastische Bildmacht unmittelbar in ihre Arbeit mit ein.

»Baraths Bilder halten unseren festen Vorstellungen von einer naiven Welt auf spielerische Art Komplexität entgegen, wir entdecken die Beschränktheit der eigenen Klischees im Kopf«. (Elke Kania)

Für die Ausstellung Weihnachtspause hat Heike Kati Barath eine Installation mit überwiegend neuen Arbeiten konzipiert, die erstmals in einer Schau zu sehen sind. Mit der Lust am Irritieren ist nicht nur der Titel Weihnachtspause gefasst, insbesondere auch die mehrteilige Wandarbeit im Überformat von 2,30 x 9 m, lässt völlig offen, wohin der Weg über den Raum füllenden Steg, vor blauem Himmel führt: in den Abgrund oder up in the air.

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Fotos: Uwe Niklas