Iris Kettner : x x x x

Atelier- und Galeriehaus Defet Gustav-Adolf-Str. 33, 90439 Nürnberg
Eröffnung: Samstag, 18. September 2010, 20.00 Uhr
Ausstellungsdauer: 19. September 2010 bis 13. November 2010
Einführung: Elke Keiper, Städtische Galerie Waldkraiburg

Iris Kettners lebensgroße figurative Skulpturen repräsentieren vertraut wirkende Alltagsgestalten des urbanen Großstadtlebens, wobei der Eindruck der Vertrautheit bei genauerer Betrachtung schnell dem der Irritation weicht. Diese Irritation wird ausgelöst durch das Überschreiten von Verhaltenskonventionen und durch die verstörenden Körperhaltungen der Figuren. Häufig markieren sie Grenzsituationen, Brüche mit sozialen Normen oder wirken wie Vorboten oder das Ergebnis existentieller Katastrophen.

Das Material dieser Skulpturen ist »dem Leben abgenommen und überall verfügbar« (Kettner), es sind abgetragene Kleidungsstücke, mit Klebeband befestigt, um ein Holzgerüst gewickelt, bandagiert, genäht und geflickt.

Obwohl oder vielleicht gerade weil sich Iris Kettner bewusst abseits jeder handwerklichen Perfektion bewegt, ist der realistische Effekt ihrer Figuren immens und lässt den unvorbereiteten Betrachter erst einmal erstarren: Hat sich dieser Fuß nicht gerade bewegt, schlafen diese Figuren etwa nur oder verharren sie einfach in täuschender und damit beängstigender Starre?

In solchen Momenten erinnern Iris Kettners Arbeiten an ein wie versteinert am Ufer liegendes Krokodil, hinter dessen scheinbarer Teilnahmslosigkeit sich die eruptive Gefährlichkeit eines unerbittlichen Raubtiers verbirgt.

Welche Gefahr aber geht von Iris Kettners Skulpturen aus? Natürlich keine reale, aber eine visuelle und mentale.

Der Eindruck von Unauffälligkeit, den Iris Kettners Skulpturen zunächst vermitteln, wird schnell abgelöst von der emotionalen Berührung bzw. Erschütterung, die sie bewirken, indem sie den Betrachter in ein komplexes Gefühlskonglomerat aus Distanz und Nähe, Abwehr und Anteilnahme hineinziehen.

Iris Kettners Figuren sind keine harmlosen Durchschnittstypen, sondern Prototypen einer sich am Rande der Gesellschaft bewegenden verelendeten Masse, soziale Verlierer, die einerseits Interesse und Mitgefühl evozieren, aber auch, so die Erfahrung der Künstlerin nach einer Präsentation ihrer maskierten »Superheroes« auf Berliner U-Bahnsteigen, unmittelbare physische Aggression und Gewalt.

Mit ihrer Arbeit gelingt es Iris Kettner, »unsere Affekte zu berühren« (K. B. Müller) – ihre Figuren und Installationen sind Projektionsfläche und Spiegel unserer eigenen Emotionen.

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Fotos: Uwe Niklas