Abendzeitung, Nürnberg : 5.5.2011

Filme im Kopf – und der Fernseher pinkelt

Schönheit und Elend liegen nah beieinander im studio des zumikon.

Bei »Intakte Intuition« etwa sieht der  Mensch einer Katastrophe – dem Vulkanausbruch – einfach nur zu, gefangen in den Medien: elendig passiv, trotz der sich nähernden Aschewolke. Zugleich aber auch schön verschroben humorvoll: Die Fernsehrkommode hebt ein Bein und pinkelt auf den Boden.
Baumanns schwarz-weiße Bleistiftzeichnungen sind allesamt in einem düsteren Kontext zu sehen, selbst auftauchende Ikonen der guten Laune oder der heilen Kinder-Welt wie Fix und Foxi oder Mickey Mouse erscheinen in bitteren, oft überfrachteten Kontexten.

Das hat Methode bei der 1962 geborenen Künstlerin: Sie verquirlt und kombiniert Queer- und Gender-Theorien, Fortschrittsglaube und -angst, Film und Realität zu suggestiven Traum-Landschaften in ihren Zeichnungen. Ihre Skulpturen zitieren andere Künstler oder arbeiten wie bei »Solum« mit ungebranntem Ton, einem fragilen Material und gleichzeitig – die Krawatten! – mit der Frage nach Identitäten und der Wirkung von Symbolen. Da fällt das Einordnen und Nachvollziehen oftmals schwer.

Martin Mai

Alle Ausstellungen