Steffen Zillig : Pessimismus organisieren

Atelier- und Galeriehaus Defet Gustav-Adolf-Str. 33, 90439 Nürnberg
Eröffnung: Samstag, 4. November 2017, 19.00 Uhr
Ausstellungsdauer: 8. November 2017 bis 20. Januar 2018
Einführung: Joshua Groß, Institut für moderne Kunst

Steffen Zillig (*1981) ist Künstler und Autor. »Social streaming« nannte die Zeitschrift Frieze seine Praxis, aus unterschiedlichen Video- und Bildquellen neue Erzählungen zu collagieren. Zillig studierte an der Hochschule für bildende Künste Hamburg und lebt heute in Hamburg und Frankfurt am Main.

Das Ende des Pop und die Zombifizierung seines Königs, Michael Jackson, führen in Pessimismus organisieren in die lichtlose Vision einer plündernden und geplünderten Kindheit, einer pessimistischen Jugendbewegung gegen alles: »We are Anonymous. We are legion. We do not forgive. We do not forget. Expect us.«

Am 25. Juni 2009 starb Michael Jackson, wenige Tage vor dem Beginn seiner Konzertserie This is it, mit der er endgültig zum »größten Entertainer der Welt« werden würde. Das war zumindest sein Plan. Sein eigentliches Vermächtnis sollte aber ein Children’s Hospital werden, das er im Anschluss an die Tournee bauen wollte, um die zukünftigen Generationen von ihren Depressionen zu erlösen. Michael Jackson war der Meinung, dass es die Aufgabe »seiner Kinder« sei, den Planeten zu retten, aber es fehle ihnen an Hoffnung: »They reach out to me – please take me with you. I want to do that for them. I’m gonna do that for them.«

Mit seinem Tod beginnt eine neue Zeit: In Zilligs Installation verbünden sich Michael Jacksons »Kinder«, desillusionierte Waisen, die sie sind, in anonymen Internetforen wie 4chan, einem digitalen Moloch, aus dem sowohl die Anonymous-Hacktivisten als auch die Alt-Right-Bewegung hervorgingen. Überschwang und Ausweglosigkeit brechen in amoralischen Grenzüberschreitungen aus der verkrusteten Gegenwart hervor, jede Rücksicht wird atomisiert, im Newsfeed hinterlässt nur die grellste Pietätlosigkeit einen kurzen Nachgeschmack. Was allerdings permanent bleibt, ist der anhaltende, strahlenverseuchte Ausnahmezustand, in dem sich die Sollbruchstellen der Welt offenbaren: Missverhältnisse, Wut, Eruption, Polizeigewalt, Straßenschlachten, Plünderung, Cyberkrieg, organisiertes Verbrechen, Narzissmus, Schönheitsoperationen …

Das Narkosemittel Propofol, das Michael Jackson vergiftete, nutzte er über Monate hinweg, um seiner Schlaflosigkeit entgegenzuwirken. Aber was machen die, die es sich nicht leisten können oder wollen, in der schönen neuen Welt nicht auf Drogen umherzuwanken? Was tun die, die nicht mehr wegsehen, aber auch nicht tatenlos zuschauen können? Sie fangen an, den Pessimismus zu organisieren.

Steffen Zilligs Video-Collage von 2012 besteht aus einem Arrangement von vier Videos mit Tonspur sowie einem PHP-Script, das live Material einer anonymen Bilder-Plattform aus dem Internet abfragt.

Zur Ausstellung erscheint ein Text von Hans-Christian Dany.

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Diese Ausstellung ist ein Projekt im Rahmen von Aus Gründen. 50 Jahre Institut für moderne Kunst.




Als Informations- und Dokumentationszentrum zur zeitgenössischen Kunst wurde das Institut für moderne Kunst 1967 in Nürnberg gegründet. Seit 50 Jahren ist das Archiv des Instituts, das im deutschsprachigen Raum zu den größten Einrichtungen seiner Art zählt, Ausgangspunkt vielfältiger Aktivitäten zur Erforschung und Vermittlung der Gegenwartskunst.

Berechtigte Zweifel, begründete Behauptungen, wildes Denken, neue Ideen, Wagnisse: Mit dem Jubiläumsprojekt Aus Gründen möchte das Institut für moderne Kunst dazu beitragen, Raum für Neuanfänge zu schaffen. Mit Ausstellungen. Mit der Publikationsreihe unendlich unwahrscheinlich im Berliner SuKuLTuR-Verlag. Mit Künstlergesprächen. Mit Vorträgen. Mit Diskussionen. Mit Judith Egger, Sascha Ehlert, Stephan Janitzky, Leon Leube, Juliane Liebert, Tobias Roth, Jenny Schäfer, Aleen Solari, Kerstin Stakemeier, Sebastian Stein, Steffen Zillig u.v.a.

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Öffnungszeiten:
Mittwoch bis Freitag 14.00 bis 18.00 Uhr
Samstag 11.00 bis 15.00 Uhr
23.12.2017 bis 9.1.2018 geschlossen

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Foto: Marie Kurth
Foto: Marie Kurth